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Der Traum eines kleinen Mädchens (12) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Ludwig   
Dienstag, 12. Januar 2010 um 10:15

 Polly und der halbnackte Mann im Winter

12. Kapitel


 

Polly wollte eigentlich eine weitere Reitstunde nehmen. Aber sie wusste nicht, ob das überhaupt möglich war. Denn letzte Woche war ihr Reitlehrer samt seinem Pferd verschwunden. Joachim, der Ersatzreitlehrer, musste jeden Tag zur Arbeit gehen und konnte nicht so früh in den Stall kommen. Vielleicht hatte sich somit  das Reiten für Polly in Zukunft erledigt.

 

 

Vorsichtshalber zog die Siebenjährige ihre Jeans an, die sie immer im Reitstall trug, und das blaue Sweatshirt, weil Mama das so wollte. Heute kam Opa wieder, um sie in den Stall zu fahren. Der hatte auch Zeit genug, um abzuwarten, ob er Polly eventuell gleich wieder nach Hause fahren sollte, weil möglicherweise keine Reitstunden mehr stattfanden.

 

Ein paar Autos standen vor dem Reitstall. Irgendwer muss ja da sein, dachte Polly sofort, als sie dort ankam. Sie ließ Opa Opa sein und lief direkt in den Stall. Aus den Augenwinkel sah sie, dass die Ponys noch alle auf ihren Plätzen waren. Aber ihre Freunde versammelten sich in der Sattelkammer. Sie diskutierten heftig, weil Sperbers Box seit letzter Woche bis heute noch leer war. Allerdings erstrahlte die Box in neuer weißer Farbe und ganz frischem Stroh. Wohin war der Traum-Schimmel des Reitlehrers entschwunden?

 

„Wollt ihr nicht endlich mal in die Hufe kommen????“, ertönte da die laute Stimme des Reitlehrers. Herr van Hopps erschien höchstpersönlich in der Sattelkammer. „Die erste Reitstunde fängt gleich an“, sagte er zu den aufgeregten Kindern und teilte die Ponys ein. Polly strahlte. Sie hatte damit nicht gerechnet, nur gehofft. Herr van Hopps war gar nicht verschwunden. Polly durfte Lisa putzen und reiten. Es konnte nicht besser sein. Sperber war vergessen.

 

 

Manche Dinge ändern sich aber nie, sie musste die olle speckige Sicherheitskappe, wie immer, aufsetzen. Wurde Zeit, dass sie eine eigene bekam, fand sie.

„Heute üben wir Leichttraben!“, brüllte Herr van Hopps. Er brüllte seine Kommandos immer durch die Reithalle. „Er war mal beim Militär“, hatte Harald, der Sohn des Besitzers, Polly mal erklärt. „Da wird immer gebrüllt. Aber sonst ist er ganz o.k.“

 

„Im Trab müsst ihr rhythmisch im Takt aufstehen und sitzen bleiben. Einen Schritt hoch, den nächsten im Sattel bleiben mit dem Gesäß. Achtet auf die äußere Schulter des Pferdes. Von oben herab seht ihr den oberen Rand des Schulterblattes des Ponys. In dem Moment, wenn der Rand des Schulterblattes sich nach vorne bewegt, müsst ihr Euch in die Bügel stellen. Geht er nach hinten, müsst ihr sitzen bleiben. Gelingt das, trabt ihr auf dem richtigen Fuß leicht.“, erklärte der Reitlehrer ausführlich. „Also, Abteilung im Arbeitstempo Teee - rab“, brüllte er jetzt wieder. „Fühlt die Bewegung, den eigenen Rhythmus des Pferdes.“

 

Polly versuchte es. Aber es ging alles so schnell: Beim Antraben das Gleichgewicht halten, aufpassen, dass das Pony nicht zu dicht auf das Vorderpferd auflief, und jetzt auch noch auf die äußere Schulter schauen und dabei aufstehen oder sitzen bleiben. Es war zu viel auf einmal. Alles ging zu schnell. Die äußere Schulter, ist die auf der Bandenseite. Das hatte sie verstanden. Aufstehen, sitzen bleiben,  aufstehen, sitzen bleiben, aufstehen... „Polly, Du trabst auf dem falschen Fuß leicht! Achte auf die äußere Schulter, die muss vorgehen. Wenn Du falsch bist, musst Du zwei Schritte hintereinander aussitzen“, erklärte der Reitlehrer weiter. Aber es war so schwer. Gerade hatte sie den Rhythmus gefunden, da war es der falsche Fuß. Trab, Trab, Trab…Lisa lief so schnell. Schulter vor, vor, vor, vor, vor, vor...

 

Immer wieder ließ van Hopps die Abteilung durchparieren. „Wenn dieses Kommando kommt, müsst ihr sitzen bleiben im Sattel, also aussitzen.“ Heute hielt er sich dran mit Erklärungen. Bisher war sein Unterricht immer eher lasch. Aber heute... Fast wie bei Joachim in der  Reitstunde am vergangenen Mittwoch. Aber der hatte Polly sowieso gefallen, obwohl er sogar noch strenger war als van Hopps.

 

„Ganz früher nannte man das Leichttraben englisches Reiten, das Aussitzen war deutsches Reiten“, schon wieder erklärte der Reitlehrer etwas. Musste man das alles wissen und vor allem können? Manchmal fand Polly den richtigen Rhythmus. Meistens verhedderte sie sich aber.

 

Wieder viel zu schnell war die Reitstunde zu Ende. Lisa bekam ihr Zückerchen von Polly und ein Küsschen. Das Pony konnte ja nichts dafür, dass alles so schwierig war. Polly nahm sich fest vor, beim nächsten mal würde sie das Leichttraben packen.

 

Die Reitkappe übergab sie dem nächsten Kind und schlurfte dann gedankenschwer zurück in den Stall zu den anderen. Plötzlich hörten sie ein lautes Poltern und Trampeln. Es ertönte ein lautes Wiehern. Das Poltern wurde heftiger. Die Kinder rannten zum Tor hinaus und erblickten einen riesigen Pferde-Transporter auf den Zufahrt. Er hatte eine blassgelbe Farbe mit grüner Aufschrift mit dem Namen des internationalen Transportunternehmens. Aus diesem Transporter ertönte das Gepolter.

 

Der Fahrer sprang aus dem Führerhaus und kam um den Transporter. Von der Beifahrerseite nahte ein dunkelhäutiger Mann, dessen Waden nackt unter einem zotteligen Fellmantel herausschauten. Dieser Mann lief schnell um das Transportfahrzeug herum. Schon kam Herr van Hopps aus dem Stall gelaufen – keine Ahnung, wer bei der Pony-Stunde geblieben war – und fing an, mit dem Fahrer in irgendwelche Papiere zu schauen und Anweisungen zu geben. Das Getrampel auf dem Wagen wurde immer unruhiger. Der farbige Mann öffnete die Klappe. Er schien sehr besorgt. Er sprach in einer fremden Sprache. Offensichtlich war es ein sehr aufgeregtes Pferd, das er zu beruhigen versuchte.

 

Dieser Mann verschwand in dem Transporter. Die Kinder wurden von den Erwachsenen weggescheucht. Dabei waren die anwesenden Erwachsenen kein bisschen weniger neugierig, was da mit so einer großen internationalen Transport-Firma hier, in ihrem Reitstall Hubertus, so hieß der nämlich, angeliefert wurde und von so einem fremdländisch aussehenden Mann gerade abgeladen wurde.

 

Ein sehr wildes, kohlrabenschwarzes Pferd mit rollenden weißen Augen tänzelte aus dem Transporter, die Rampe runter. Der dunkle Mann konnte den Strick kaum halten.



 

„Hierhin, hierhin“ rief Herr van Hopps und winkte wie verrückt mit seinen Armen in der Luft dem Mann mit dem feurigen Rappen zu, ihm zu folgen.

 

Der Rappe stand nun in Sperbers Box. Alle, wirklich alle, die da waren, außer den Kindern auf den Ponys in der Reithalle, hatten sich im Stall bei dem Neuankömmling versammelt und bestaunten ihn mit offenen Mündern.

 

„Ist das das neue Pferd von Herrn van Hopps?“, Gabi stellte die Frage und insgeheim hoffte sie, dass sie selber, als rechte Hand des Reitlehrers, dieses herrliche Tier pflegen dürfte. „Ist das der Ersatz für Sperber? Wo ist der hin?“ Petra stellte die Frage an den Reitlehrer.

 

„Ersatz für meinen Sperber. Wie kommst Du denn darauf?“, rief Herr van Hopps aufgebracht. „Sperber steht hinten in dem Stall für die Privatpferde, hinter der Reithalle. Nur übergangsweise. Dieser Rappe bleibt nur ein paar Tage hier. Er gehört einem arabischen Scheich und soll zu einem großen Züchter,  um dort für frisches Blut bei europäischen Araberstuten zu sorgen. Der Hengst ist sehr wertvoll. Er braucht ganz spezielle Behandlung. Deswegen hat der Scheich auch seinen Oberstallpfleger mitgeschickt“, stellte van Hopps klar. Jetzt schauten alle auf den dunkelhäutigen Mann. Der hatte seinen Fellmantel ausgezogen. Obwohl es Winter war versorgte er das edle Tier mit nacktem Oberkörper. Er zeigte ihm die Wassertränke in der Box, gab ihm Futter und Heu, und rieb ihn mit sauberem Stroh ab. Nur langsam beruhigte sich das Tier in seiner fürsorglichen Obhut.

 

Ehrfürchtig standen Kinder und Erwachsene noch lange vor Sperbers Box, in der nun ein wunderschöner Rapphengst residierte.

 

(Fortsetzung folgt...)

 

 

 

 

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