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Der Traum eines kleinen Mädchens (34) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Ludwig   
Mittwoch, 16. Juni 2010 um 13:10

 

 

Polly und die „Kochlöffel-Damen“

 

Polly hatte Bauchweh... Polly wurde die ganze Nacht von Bauchweh gequält. Immer wieder musste sie zur Toilette. Das war das erste Mal, dass sie so einen schlimmen Durchfall bekommen hatte. Jedenfalls so weit sie sich selbst erinnern konnte. Mama war fast die ganze Zeit mit ihr auf, um jederzeit helfen zu können. Das war auch wirklich nötig gewesen, weil der blöde Durchfall so plötzlich einsetzte, dass man keine Zeit mehr hatte, rechtzeitig zum Klo zu kommen.

 

Als Mama die Brüder weckte, kam sie auch zu Polly ins Zimmer. Aber nur um zu sagen, dass sie heute nicht in die Schule musste. Das war schon cool. Noch viel cooler aber war es, dass sie Mama in den Reitstall begleiten durfte. Sie hatte ihre Mutter noch nie reiten sehen. Solche4 Reitstunden fanden immer nur dann statt, wenn die Kinder in der Schule waren. Also heute durfte Polly zur „Vormittagsstunde für Hausfrauen“ mitkommen.

 

Mama hatte sich eine Secondhand-Reithose besorgt, die ihr viel zu groß war: sie schlabberte um den Popo und um Mamas dünne Beine. Richtig schick sah anders aus.

 

Einige Autos, die auf dem Parkplatz vor dem Stall standen, kannte Polly und wusste, welche Mütter ihrer Freunde ebenfalls Reitunterricht nehmen würden. Da war das Auto von Klaus und Martinas Mama. Und das von Frau Dimmer, Petras Mama. Sofort stellte Polly sich vor, wie Frau Dimmer auf dem Pony ihrer Tochter aussah (das Pony war doch wohl viel zu klein für die stattliche Dame!). Polly kicherte unvermittelt, und Mama schaute sie fragend an. Sie hielt sogar ihre Handfläche auf Pollys Stirn, um zu fühlen, ob sie Fieber hätte. War aber nicht so.

 

Die Mutter von Klaus hieß Elfriede. Sie saß schon auf ihrem eigenen Pferd und befand sich schon als erste in der Reithalle. Frau Dimmer wiederum hatte überhaupt kein Reitzeug an. Sie trug ein dunkelblaues Kostüm  und hielt sich von den Pferden fern. Dann waren da noch zwei ältere Damen, die Polly noch nie hier im Stall gesehen hatte. Beim Tanz in den Mai waren die auch nicht dabei gewesen. Frau Opitz kam aus der „Tränke“ in den Stall, weil die damen ja immer etwas zu schwatzen hatten und sie das unter keinen Umständen verpassen wollte.

 

Nun betrat Herr van Hopps den Reitstall. Polly staunte. Hatte er doch ein hellblaues Hemd an mit einem Schlips und darüber ein Jackett mit kleinem Karomuster. Er trug keine schwarzen, sondern braune, glänzende Reitstiefel. Sehr elegant, fand Polly. Sofort wurde der Reitlehrer von sämtlichen anwesenden Damen umringt Die Stimmen der Damen hörten sich aufgeregt an, alle lachten leicht gekünstelt.

 

Polly war ja durch niemanden abgelenkt, ihre Freunde hockten ja noch in der Schule. Sie konnte also genauestens beobachten, wie anders die erwachsenen Damen mit Herrn van Hopps umgingen als die Kinder, die zur Nachmittagstunde kamen. Schon seltsam. Vor allem benahm sich der Reitlehrer anders als sonst. Auch er machte Späße mit den Damen und lachte sie fröhlich an. Er drängte die Damen nicht,  in die  Gänge zu kommen, weil die Reitstunde anfangen würde. Jetzt hatte er plötzlich alle Zeit der Welt. Dann teilte er doch noch die Pferde ein und gab Mama Comtesse.

 

Comtesse war das liebste Schulpferd von allen Großpferden im Stall. Außerdem dazu aber das faulste. Von diesem Pferd konnte niemand herunterfallen. Das wussten alle. Sonntags kam manchmal ein ganz alter, etwas dicker, Herr, der kaum selber laufen konnte. Aber er wollte unbedingt reiten, und so wurde er automatisch auf Comtesse gesetzt.

 

Die siebenjährige Polly musste ihrer Mutter nicht beim Putzen und Satteln von Comtesse helfen. Alles hatte der Pitter schon erledigt. Er führte sogar das Schulpferd für sie in die Bahn und half Mama aufsitzen. Das ging nicht so einfach, wie bei den Kindern. Pitter wurde vom Reitlehrer weggedrängt und drückte seine Hand an Mamas Hintern, um sie von unten auf das Pferd zu hieven. Polly beobachtete die Situation ganz genau. Dabei  wusste sie nicht, ob sie lachen sollte oder durfte. Ein bisschen schämte sie sich sogar. Es sah zu komisch aus, was da abging. Jedenfalls saß Mama doch dann irgendwann auf dem Pferd.

 

„Abteilung bilden!“ kommandierte der Reitlehrer. Es schien Polly eine Ewigkeit,  bis die Damen sich eingereiht hatten. Sie scherten sich nicht um das, was der Reitlehrer sagte. Für alles hatten sie tausend Argumente, warum das eine oder andere Pferd nicht hinter dem und jenem Pferd gehen könnte. Sie gaben dauernd Widerworte. Gerade hatte man sich auf eine Reihenfolge geeinigt, da kam Frau Opitz mit einem Tablett Sektgläser aus der Tränke. Sie rief: „Unsere liebe Freundin, Frau Dimmer, hat es sich nicht nehmen lassen, uns ein edles Tröpfchen zu kredenzen.“ Ratzfatz verließen die reitenden Damen den Hufschlag,  und jede ritt so schnell sie konnte zur Bande, wo der Sekt wartete. Das Durcheinander war also wieder da. „Geh weg, mit Ajax! Der schlägt“, rief die eine Dame, „meine liebe Comtesse mag Fürst nicht leiden! Bleib weg von uns!“, sagte Mama laut und  ganz genervt. Sie hatte noch kein Sektglas ergattert und zog wie wild am linken Zügel, dass Comtesse den Hals total verbiegen musste. „Die Pferde tun doch gar nichts! Die kennen sich doch“, sagte Polly ganz leise, fast zu sich selbst. Eingeschüchtert über so viel überflüssige Aufregung bei den Damen, hatte sie Angst, das ein handfester Krach ausbrechen würde.

 

„Karl, nun sag doch was! Der Fürst lässt meine Comtesse nicht vorbei. Ich will auch  `nen Sekt“, rief Mama ganz verzweifelt. „Du kriegst doch gleich einen. Es gibt für alle Sekt. Karl reich doch mal ein Glas rüber“, sagte jetzt Frau Dimmer beschwichtigend.

 

„Karl“, jetzt wusste Polly, wie der Reitlehrer mit Vornamen hieß. Das würde sie sofort ihren Freunden erzählen. „So ein altmodischer Name“, dachte sie enttäuscht.

 

„Anstoßen!“, rief Frau Opitz, die Wirtin des Reitstalles Hubertus. „Oh ja und Küsschen“, rief Frau Dimmer begeistert. Sofort drängten sich die Damen zu Pferde um den Reitlehrer.

 

„Das kann ja ewig dauern“, dachte Polly, „wollen die denn gar nicht reiten?“ Die Zeit lief denen einfach weg, aber das schien niemanden zu interessieren. Polly war enttäuscht. Sie wollte doch so gerne sehen, was für eine Figur die erwachsenen Damen auf den Pferden machen würden. Bisher hatten sie alle nur eine Runde im Schritt geritten.

 

Das Anstoßen und Küsschengeben lief dann wie folgt ab. Die Reiterin hielt das Sektglas in der rechten Hand, der Reitlehrer legte seine linke Hand auf den Oberschenkel der Reiterin, die wiederum musste sich tief herunterbeugen, um von ihm ein Küsschen auf den Mund zu bekommen. Jedes mal quietschte die Damenschar laut auf und freute sich, wenn dabei eine etwas weit aus dem Sattel rutschte und kurz vor dem Runterfallen war. Um Frau Dimmer nicht um das Küsschen  zu bringen, verließ der Reitlehrer sogar die Reitbahn und trat zu Petras Mama an die Bande. Sie bekam sogar zwei Küsschen. Eines links, eines rechts auf die Wange. Nicht auf den Mund! „Das hat der sich nicht getraut“, dachte Polly.

 

„Die Reiter nehmen das Glas in die linke Hand  zum Zuprosten, sonst müssen sie eine Runde geben. Die rechte Hand hält ja immer die Zügel fest“, erklärte der Reitlehrer. „Prost“, rief Frau Dimmer ausgelassen von der Bande her.  „Neuer Sekt für alle“, schrie nun der Vater von Stefan und Sabine, der gerade mit seiner Frau auftauchte und wohl Spaß an dem bunten Treiben hatte.

 

„Das kann ja heiter werden. Mit dem Reiten gibt das wohl heute nichts mehr. Ob das jedes Mal so ist bei den Vormittag-Damen?“ dachte sich Polly. Sie ging in den Stall zu Lisa, um sich von ihrem Lieblingspony trösten zu lassen. Das schaute sie mit großen schwarzen Augen treu an. Polly schlang ihre Arme um den Pferdehals und drückte ihr Gesicht in das weiche Fell des Ponys.

 

„Oh, ich muss ja kochen!!! Es ist schon so spät, die Stunde ist lange vorbei!“, rief eine der Damen. „Die Kinder kommen aus der Schule!“, rief jetzt Pollys Mama und meinte damit Pollys Brüder.

 

In „Nullkommanichts“ rutschten die Damen von den Pferden. Mit elegantem Absteigen hatte keine etwas im Sinn. „Wie schade, ich könnte gerade noch ein Gläschen mit Euch trinken“, sagte der Reitlehrer enttäuscht und versuchte, die Damen zu einem weiteren Gläschen zu bewegen. „Wir müssen nach Hause, kochen“, riefen die Damen. Damit war für Polly geklärt, warum diese Vormittags-Abteilung „Kochlöffel-Truppe“ genannt wurde.

 

(Fortsetzung folgt)

 

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