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"Neco" Pessoa - der Ausnahme-Springreiter wird 75 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 09. Dezember 2010 um 18:18

Brüssel. Nur wenige Größen der Springsportgeschichte bleiben auch noch lange nach dem Karriereende im Gespräch und im Bewusstsein. Nelson Pessoa ist zusätzlich eine Ausnahme, weil er in seiner langen Laufbahn nur ein echtes Championat gewann, die offen ausgeschriebene Europameisterschaft 1966. Am kommenden Donnerstag, dem 16. Dezember, wird der Stilist 75 Jahre alt.

 

Nelson Pessoa


 

So richtig Aufregendes weiß keiner über ihn zu erzählen. Über ihn gibt es keine Weibergeschichten, keine Stürze und Verletzungen, die sich um ihn ranken, keine tollkühnen Ritte zu Medaillen, eigentlich fast nichts, er schloss sich keiner Clique an, um Sportpolitik zu betreiben, und doch gehört er zu den ganz großen feinen Reitern der Geschichte. Er war immer anders, er blieb immer anders.

 

Mit 20 verließ er seine Heimat per Schiff

 

Nelson Pessoa stammt aus Rio de Janeiro, dort wird vor allem Fußball gespielt. Das weiß die ganze Welt. Doch der Vater, Immobilienhändler und Grundstücksmakler, kickte nicht, er ritt. Und der setzte den ängstlichen Sohn fast mit Gewalt irgendwann auf ein Pferd, er nahm ihn mit zu Turnieren auf dem ganzen amerikanischen Kontinent. Die Begeisterung übertrug sich Mit zwölf Jahren ritt Nelson Pessoa sein erstes Springen. Mit 20 verließ er seine Heimat, er gab eine gesicherte berufliche Zukunft in Brasilien auf. Mit seiner Frau und einem Pferd schiffte er sich Richtung Europa ein, „denn dort wurde damals schon der Springsport gemacht“, wie er sagt, „und ich wollte mal ein guter Springreiter werden.“

In Europa galt er zunächst als Exot, aber sein Stil begeisterte, eleganter Sitz, weiche Hand, Pessoa ritt fast spielerisch, seine Ritte hatten etwas Kunstvolles an sich.

 

Als 17-Jähriger gehörte er als Ersatz zum Olympiateam Brasiliens 1952 in Helsinki, vier Jahre danach in Stockholm wurde er mit der Equipe Olympia-Zehnter. Die Kollegen nannten ihn alle „Neco“, „weil meine kleine Schwester meinen Vornamen Nelson nicht aussprechen konnte und eben Neco sagte.“ Seither heißt er in der ganzen Welt nur "Neco". Pessoa nahm an acht Weltmeisterschaften teil, startete bei fünf Olympischen Spielen, doch ein großes Championat gewann er nur einmal - die weltweit ausgeschriebene Europameisterschaft 1966.

 

Er bleibt nach Olympia 1956 in Europa

Nach den Olympischen Reiter-Spielen von 1956 in Stockholm bleibt er in Europa. Im Herbst gewinnt er den Großen Preis in Brüssel, die pferdebegeisterte und ausgezeichnete Springreiterin Arline Givaudan engagiert ihn. Das Ehepaar Pessoa zieht in der Villa des Schweizer Parfumfabrikanten Leon Givaudan am Genfer See ein. Er gibt der ebenfalls in Brasilien geborenen Arline Givaudan Unterricht,  sie kauft ihm Pferde, die besten, die auf dem Markt sind und zu haben waren.

 

1961 startet er erstmals beim Deutschen Derby in Hamburg-Klein Flottbek. Auf Orfeu Negro belegt er knapp im Stechen vom großen Italiener Raimondo d`Inzeo auf Posilippo geschlagen den zweiten Platz. In seinem Gepäck auf der Rückreise in die Schweiz hat er einen kleinen Zettel, eine Zeichnung des 14. Sprungs, von „Pulvermanns Grab“, der gefürchteten Kombination aus dem 1,40 m hohen Rick als Einsprung, dem 7,50 m langen abschüssigen Geläuf zu einem 2 m breiten Wassergraben, danach vom 7,50 m langen Anstieg zu einem 1,40 m hohen Rick als Aussprung. „Pulvermanns Grab“ hatte Nelson Pessoa bei seinem Derby-Debut in Deutschland geärgert. In Genf baut er die Kombination naturgetreu nach. Ein Jahr später hieß der Derby-Gewinner erstmals Nelson Pessoa auf Espartaco - vor Raimondo d`Inzeo auf Merano.

 

Siebenmal deutscher Derbysieger – Rekord

 

Insgesamt siebenmal wird ihm die Blaue Schärpe als Zeichen des Derbygewinners zwischen 1962 und 1994 um die Schulter gehängt, letztmals 1994. Pessoa ist auf diesem seit 1920 kaum veränderten Parcours über 1250 m  mit seinen 17 der Natur nachempfundenen Hindernissen ohne Beispiel und ohne Vergleich, bis heute. Dreimal trägt der Schimmel Gran Geste den begehrten Eichenkranz des Siegerpferdes um den Hals. Man sagt bis heute: Der Derbysieg ist wie ein Ritterschlag. Der Kurs adelt einen Reiter. Seine Blut-Pferde „liebten“ den Kurs ebenfalls.

 

„In Hamburg zu gewinnen war für mich immer etwas Besonderes, ich liebte diesen Kurs, dieses Flair, das Derby zu reiten war für mich etwas ganz Außerordentliches, etwas ganz Großes“, sagt Nelson Pessoa. Arline Givaudan, die im Derby 1962 auf Huipil Vierte wird, ist mit ihrem Mann nicht nur Mäzenin, auch Türöffnerin für die schier unglaubliche Tellerwäscher-Karriere eines großen Pferdemannes. Die von den beiden vorgestellten Halbblüter Orfeu Negro und Gran Geste sowie die Vollblüter Espartaco und Huipil sind in die Turniersportgeschichte nach wie vor in Stein gehauene Namen für die Ewigkeit. Auf Gran Geste gewinnt Nelson Pessoa 1964 auch erstmals den Großen Preis des CHIO von Deutschland in Aachen, dann nochmals 1972 auf Nadir.

Nelson Pessoa auf dem Schimelwallach Gran Geste, eines seiner ersten ganz großen Erfolgspferde neben Espartaco, Huipil und Orfeu Negro

 

Von der Schweiz weiter nach Chantilly

 

Von der Schweiz geht Pessoa nach Chantilly in die Nähe von Paris, dort wird am 29.November 1972 Sohn Rodrigo geboren. Pessoa trainiert auf einer Anlage unmittelbar neben dem Schloss reiche Franzosen, darunter die spätere Weltmeisterin Janou Lefebvre, die auch mal mit Alwin Schockemöhle verlobt war. Pessoa ist in Europa Brasiliens bekanntester Botschafter, der Staat schickt ihm als Anerkennung jeden Monat ein Salair in Höhe von 5.000 Mark. Er war aber auch immer geschickt im Geldverdienen. Alwin Schockemöhle (73), der selbst dreimal das Deutsche Derby gewann, Olympiasieger 1960 in Rom mit der Equipe und in Montreal 1976 mit Einzel-Gold dekoriert, der Nelson Pessoa seit über Jahren kennt, sagt über ihn: „Necco war immer etwas anders als wir alle, er wohnte stets in den besten Hotels und hatte immer schon im Vergleich zu uns die besseren Geldgeber. Aber er managte sich auch immer am besten von uns allen.“ Weiter meinte Alwin Schockemöhle, Pessoa sei auch immer durch ganz besonderes Benehmen, Erziehung und Auftreten aufgefallen.

 

Sohn Rodrigo setzte Lebenswerk fort

 

Nelson Pessoa verabschiedete sich nirgendwo von der großen Bühne des Sports. Sein Lebenswerk setzt der Sohn fort, der Olympiasieger von Athen 2004 und dreimalige Weltcupgewinner. Und der sagt über seinen Vater: „Er hat mit nichts angefangen, wahrlich mit nichts. Dann gewann er 1956 in Brüssel den Großen Preis – und 40 Jahre danach nochmals in Hickstead das englische Derby. Das ist doch ohne Beispiel. Die Stärke meines Vaters liegt im Suchen nach Perfektion.“ Beide unterhalten in der Nähe von Brüssel seit Jahren einen Ausbildungs- und Handelsstall. Nelson Pessoa: „In unserem Sport zählt vor allem Passion. Ich stehe sicherlich ein bisschen als Beispiel dafür. Ich habe damals 1955 alles aufgegeben. Ich hatte nichts als meinen Traum, als ich auf das Schiff ging und alles hinter mir ließ. Ich wollte nur eines: Ein guter Springreiter werden.“ Und weiter meint er: „Man darf von einem Pferd nicht mehr verlangen als es zu bringen vermag. Aber man muss es auch bei Laune halten.“ Und er sagt: „Der langjährige Umgang mit Pferden, das Zusammenleben mit ihnen hat mich gelehrt, dass ich lieber mit ihnen als mit Menschen zusammen bin, von ihnen weiß ich, was ich erwarten kann. Von Menschen nicht.“

 

Seine Ritte und Erfolge auf Huipil, Gran Geste oder Espartaco oder Orfeu Negro wurden früh zu einer Legende wie Vorstellungen des Freiherrn von Langen auf Draufgänger und Hanko sowie Falkner, von HG  Winkler auf Halla, Fritz Thiedemann auf Meteor und wenigen anderen, zu denen die d`Inzeos aus Italien gehören, der Franzose Jonqueres d`Oriola oder der Brite David Broome. Nelson Pessoa bleibt einer der größten Springreiter aller Zeiten -  auch ohne besondere Titel, vielleicht macht ihn das zusätzlich zu etwas ganz Besonderem.

 

 


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