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Vor 40 Jahren hatte die UdSSR plötzlich wieder eine Zarin... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Sonntag, 02. August 2020 um 15:27

Moskau. Bei der Military-Europameisterschaft 1973 in Kiew war der Sport ziemlich Nebensache, das Hauptinteresse weckte die britische Königin-Tochter Anne als Starterin, sieben Jahre später die stets lächelnde österreichische Dressurreiterin Elisabeth Theurer – die 1980 für Olympia als einzige aus der Elite der westlichen Streikfront ausgebrochen war…

 

Für wenige Tage hatten die damaligen Sowjets gar wieder eine „Zarin“, sie hieß Elisabeth Theurer, dazu eine aus Österreich, wo Adelstitel längst abgeschafft sind, aber wo wie nirgendwo sonst in der westlichen Welt der Adel immer noch so hofiert wird. Für die Olympischen Reiterspiele 1980 in Moskau „Sissi“, wie sie gerufen wird wie damals eben Österreichs Kaiserin, war vom früheren Formel 1-Weltmeister Niki Lauda in dessen eigenem Jet mit Wallach Mon Cherie sowie Gefolge an die Moskwa geflogen worden. Der Empfang war einer Fürstin wahrlich würdig. Am Flughafen ein Blitzlichtgewitter der Fotografen, TV-Kameras surrten, alles wurde für die Ewigkeit festgehalten. Sie lächelte und schwieg. Bis heute sagte sie nie, warum sie aus der Streikfront der westlichen Reiternationen ausgebrochen ist, der österreichische Verbandspräsident Friedolin Schindler hatte gar aus diesem Grund sein Amt niedergelegt, die Kolleginnen und Kollegen auf den Vierecken weltweit schütteten Schimpf und Schande über sie aus. Sie sagte damals lediglich: „Ich wollte nach Moskau.“

Dressurrichter Erich Heinrich, Oberst der Nationalen Volksarmee der DDR, hatte damals eine Erklärung, er wollte aber seinen Namen aus politischen Gründen nicht genannt haben. Der einzige Richter des anderen deutschen Staates mit dem offiziellen Testat des Weltverbandes (FEI) zur Erlaubnis der Notengebung höchster Prüfungen, der 2011 starb, erzählte während den Olympischen Spielen in Moskau, er wisse aus Quellen des entsprechenden Bereichs der Sowjets, man habe sich dahingehend geräuspert, für die geschäftlichen Beziehungen mit ihrem Vater sei der Start seiner Tochter Sissi bei Olympia durchaus förderlich. Ihr Vater Josef war Miteigentümer des Weltmarktführers für GleisbaumaschinenPlasser und Theurer“ und damit auch für das flächenmäßig größte Land der Erde mehr als interessant.

Der für Austria seit 1972 reitende Pfälzer Hugo Simon hätte auch in Moskau starten können, was das Nationale Olympische Komitee erlaubte, doch sein Liechtensteiner Sponsor und Pferdebesitzer Herbert Batliner sagte: „Du kannst bei Olympia starten – aber nicht mit meinen Pferden…“

Die Olympische Goldmedaille lag für Sissi Theurer, damals 23, wie auf einem Tablett zum Abholen bereit. Zu den vor allem von den reiterlichen Westnationen gemiedenen Spielen waren in der Dressur 14 Reiter aus sechs Nationen angereist, Mannschaftsgold ging an die UdSSR vor Bulgaren, Rumänien und Polen. Sissi Theurer und ihr Schimmelwallach Mon Cherie waren Beste im Grand Prix als gleichzeitiger Qualifikation für den Grand Prix Special, die Prüfung für die Einzelmedaillen, von Kür wagte damals noch niemand zu reden. Sissi Theurer, ein Jahr davor bereits in Arhus Europameisterin geworden, hatte die Konkurrenz mehr als aufgeschreckt, wurde zur verdienten Olympiasiegerin. Auf dem schweren Boden im Nitsa-Stadion außerhalb Moskaus demonstrierte sie den Zuschauern, wie Dressur ausschauen sollte, was Piaffen bedeuten, Passagen oder Pirouetten. Die Olympiasiegerin danach: „Eine Medaille hätte ich sicherlich mitgenommen., immerhin habe ich ja vor einigen Wochen beim CHIO von Deutschland zweimal den zweiten Rang belegt. Das war für mich ausschlaggebend, in Moskau zu starten.“

Insgesamt war die Olympische Dressur von Moskau eher ein Trauerspiel mit Ausnahmeerscheinungen wie Sissi Theurer oder einigen Sowjets. Die sonstigen Ostblocknationen mit den wenigen Dressurreitern im Lande - die DDR hatte die Disziplin ja nach Münshen 1972 wegen nicht medaillenträchtig abgeschaft -  waren rangepfiffen worden, sonst hätte zum Beispiel die Mannschaftswertung gar nicht ausgetragen werden können, Mangel an Teams. So erfuhren beispielsweise die polnischen Aspiranten genau zwei Tage vor der Abreise vom Olympiastart. Die dänische Dressurrichterin Jytte Lemko sagte nach dem Grand Prix hinterher: „Nie zuvor habe ich so viele Nullen, also, nicht ausgeführt, diktiert. Aber ich hatte nur zwei Möglichkeiten: Entweder ehrlich sein – oder lieb den Reitern gegenüber…“

Man hätte die Teamgoldmedaille durchaus vor Beginn schon den drei sowjetischen Reitern Yuri Kowschow auf Igrok, Viktor Ugrimow auf Shkval und Vera Misewitsch auf Plot umhängen können, über die beiden restlichen Medaillen hätte dann gewürfelt werden sollen – das Los hätte  sicher die Richtigen getroffen. So kam das rumänische Trio auf wunderbare Weise zu Olympia-Silber, Rumänien zu Bronze und Polen nur zu einer Urkunde. Wenigstens hatte kein Pferd aus Verdruss das Viereck verlassen, kein Reiter hatte sich verletzt oder einen Muskelkater zugezogen…

 

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