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In Oslo beginnt die 30. Weltcup-Saison - Rückblick auf noch andere Serien PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Freitag, 09. Oktober 2009 um 15:27

Anky Van Grunsven, neunmalige Dressur-Weltcupgewinnerin, mit  Ehemann und Erfolgstrainer Sjef Janssen in der Mitte (Foto: Uta Ludwig)

 

Wassenberg. An diesem Wochenende beginnt in Oslo die 30. Saison um den Springreiter-Weltcup. Erster Pokalgewinner war 1979 in Göteborg der für Österreich reitende Hugo Simon auf Gladstone. Der Traum des Schweizers Max Ammann als Pokalerfinder im Reiten ging in Erfüllung: Die Serie umspannt inzwischen den ganzen Erdball, bis zum Finale im April 2010 werden insgesamt 120 Qualifikationen in 50 Ländern bestritten. Und alles begann einmal im Grunde genommen im chilenischen Skiort Portillo...

 

In über 3.000 m Höhe hockten im chilenischen Andendorf  Portillo 1966 eine Handvoll Journalisten, Trainer und Aktive untätig herum. Nebel und Sturm unterbrachen nämlich ständig die alpinen Skiweltmeisterschaften.  So wurde fast aus einer Langeweile heraus der Weltcup ausgetüftelt. Der Elsässer Serge Lang, ein Zwei-Meter-Kerl,  Schreiber für die angesehene französische Sportzeitung "L`Equipe", riss das Kommando an sich. Lang gilt seither als der Erfinder des Weltcups. Bereits ein Jahr später wurden die ersten Rennen gefahren. Die Athleten durften noch nicht offen kassieren, sie konnten Kristallkugeln als Ehrenpreise in ihren Vitrinen deponieren, dafür aber sahnten die Organisatoren mächtig ab.

 

Warum nicht auch im Springreiten...

 

Zehn Jahre später brachte der Skiweltcup einen Nachkommen hervor, den  ähnlichen Pokal im Springreiten. Die Idee hatte der Schweizer Journalist Max Ammann bei der Skizunft abgekupfert.

Ammann war während seiner USA-Zeit vor allem von der besonderen Atmosphäre der Hallenreitturniere in Washington und New York fasziniert. Der Korrespondent für ein Schweizer Blatt dachte über eine weltweite Serie mit Punktsystem nach. Während der Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal sprach Ammann den internationalen Reiter-Präsidenten Prinz Philip an und trug seine Gedanken vor. Der Königin-Gemahl meinte, eine solche Serie wäre durchaus "verfolgungswürdig, arbeiten Sie mal ein Konzept aus". Die Internationale Föderation, FEI, erhob Ammann in den Stand eines Weltcupdirektors, 25 Jahre blieb er dem auch gut dotierten Job treu.

 

Meeting in Donaueschingen

 

1977 setzte sich Ammann in Donaueschingen während des Turniers mit den deutschen Springreitern Paul Schockemöhle und Hendrik Snoek zusammen, "ich redete mit allen, die zuhören wollten". Bei den alteingesessenen Veranstaltern stieß der Schweizer zunächst auf Skepsis, aber wiederum auch auf Interesse, "man weiß ja nie, was daraus werden kann", wie damals Hermann Heinemann als Direktor der Dortmunder Westfalenhalle sagte. Strikt dagegen war beispielsweise die Stuttgarter Schleyerhalle, die verlauten ließ, man brauche keinen Weltcup. Ähnlich verhielten sich später auch die Züricher Reitsport-Veranstalter, doch beide Orte koppelten sich inzwischen an den Weltcup-Zug an.

 

Amis waren sofort dabei – doch Geld fehlte

 

Ammann erfuhr Unterstützung von den Amerikanern und dem neu gegründeten Internationalen Springreiter-Club. Die Amis sahen in einer solchen Serie freudig einen willkommenen jährlichen Erdteilkampf mit den Europäern. Was aber zunächst fehlte,  das war Geld, ein Hauptsponsor musste her. Ihn fand Max Ammann in Göteborg bei Volvo. Er suchte nach einem Gespräch bei Volvo-Direktor Pehr Gyllenhammar nach, der lud ihn zum Mittagessen nach Hause ein. Als später Kaffee und Cognac aufgefahren wurden, stand der mächtige Konzern-Boss auf und sagte: "Wir sind im Geschäft." Volvo gab für die erste Saison 1978/ 79 großzügig 480.000 Schweizer Franken.

Inzwischen umfasst der Springreiter-Weltcup 50 Länder, Volvo verabschiedete sich nach 20 Jahren des Gönnertums. Die Skandinavier schossen bis 1998 nicht weniger als 100 Millionen Euro in das Unternehmen Weltcup und spendierten zudem als Ehrenpreise 161 Limousinen.

Dr. Joep Bartels (Foto: Uta Ludwig)

1986 gesellte sich der Weltcup in der Dressur dazu. Erste Gewinnerin war die Dänin Anne-Grethe Jensen auf Marzog. Erster Weltcup-Direktor wurde der Niederländer Dr. Joep Bartels, er gab sein Amt nach 20 Jahren 2004 auf. Nicht weniger als neunmal sicherte sich seine Landsmännin Anky Van Grunsven den Pokal.

Etwas Neues sollte her – FEI drohte......

 

1991 grübelten der dreimalige Europameister Paul Schockemöhle und der ehemalige Diamantenhändler Isaac Arguetty über eine andere Weltliga der Springreiter nach. Zwei Jahre danach wurde die "Professional Showjumping Association" (PJA) gegründet. Der Amerikaner und der mexikanische Milliardär und Turnierveranstalter Alfonso Romo als Präsidenten hinterlegten bei einer Schweizer Bank für die Serie 6 Millionen US-Dollar. Nach Qualifikationen ähnlich dem Tennis in aller Welt sollte das erste Masters Finale 1994 in Frankfurt/ Main ausgetragen werden mit einem Preisgeld für den Sieger von einer Million Dollar. Doch der Weltverband (FEI) vermutete die Gründung einer konkurrierenden Föderation und drohte, wer sich der „PJA“ zuwende, habe das Recht auf Teilnahme an Olympischen Spielen, Championaten und Nationen-Preisen verwirkt. Die Reiter knickten ein, keiner löste eine Lizenz. Es blieb bei Gedankenspielen.

 

Paul Schockemöhle „orgelte“ weiter

 

Der Südoldenburger Paul Schockemöhle aus Mühlen hatte als einziger die Idee einer zusätzlichen Serie im Springreiten jedoch nicht  verscheucht. Der All-Zweck-Unternehmer, 64, der stur sein kann wie ein Esel, überredete sechs gleichgesinnte zur Gründung der "Riders Tour". Jeder zahlte eine Million Mark in den Topf ein, Sieger Ludger Beerbaum erhielt beim Auftakt der Serie 2001  500.000 Mark, dann noch zweimal.

 

Waren anfangs bis zu neun Veranstaltern mit von der Partie, schrumpfte die Zahl inzwischen auf sechs. Zu viele regierten den Turniermachern zu ungehemmt  hinein. Günter Orschel stieg mit seinem Turnier in Aach am Bodensee aus, „denn die kamen und gaben mir 1.000 Mark. Damit erwarben sie das Recht, ihre eigenen Werbeplakate auf dem Turniergelände aufzuhängen, das brachte ihnen aber 800.000 Mark." Ausgestiegen ist nach ihm auch Peter Hofmann, Turnierchef in Mannheim und Vorsitzender im Springausschuss der FN. Er wollte seine treuen Sponsoren nicht verprellen.

 

Dann kam die Global Champions Tour

 

Neu im Springreiter-Zirkus ist seit 2006 die „Global Champions Tour“ des holländischen Erfinders Jan Tops (48). Der Team-Olympiasieger von 1992 lässt wie ein Karnevalsprinz die Konfetti nun die Euro-Scheine aufs  Reitervolk regnen. Jeder Große Preis als gleichzeitige Qualifikation ist zum Beispiel mit 150.000 Euro dotiert, beim kommenden Finalturnier in Doha (11.bis 14.November) liegen gar 1,4 Millionen auf dem Gabentisch,  allein 900.000 im Großen Preis als Höhepunkt.Schirmherrin der Tour ist die griechische Milliardärin Athina Onassis.

...und die Pulsar Crown...

Zwischen 1995 und 2000 jagten die Springreiter den Dollar der "Pulsar Crown" des mexikanischen Geldgebers Alfonso Romo.  Bei Siegen in den Großen Preisen von Romos Heimatstadt  Monterrey, in  Aachen und in Valkenswaard wären gar 1,5 Millionen US-Dollar fällig gewesen, das schaffte keiner. Zwei Springreiter gewannen aber zwei Grand Prix` von drei: Der Österreicher Hugo Simon 1998 und Jerry Smit 2000. Simon reiste damals vom CHIO in Aachen mit insgesamt 1,4 Millionen DM ab, der Italiener  kam zwei Jahre später in Cannes auf umgerechnet 1,6 Millionen Mark. Die Pulsar Crown ist inzwischen nur noch Erinnerung, wirtschaftliche Gründe verhinderten eine Fortsetzung.

 

Inflation an Pokalen und Serien


Die geradezu wundersame Vermehrung der Serien greift wie ein Flächenbrand um sich. Allein im Jugendbereich der deutschen FN gibt es nicht weniger als 130 Cups. Eine internationale Pokal-Kreation hatte nur für ein Springen bestand. 1998 der sogenannte "Grand Slam" des niederländischen Vermarktungsunternehmens "BCM". Dem Besten in fünf von sieben Prüfungen sollte ein Scheck in Höhe von 600.000 Mark ausgestellt werden, und außerdem hätte er in einem neuen PKW nach Hause fahren können. Die FEI stoppte den zusätzlichen Geldfluss, der Schweizer Beat Mändli blieb damit der einzige, dem man damals als Sieger in Berlin eine braune Baseballkappe mit der Goldaufschrift "Grand Slam" verpassen konnte.

 

Alles überdauert: Springreiter-Weltcup


Alles wahrlich überdauert hat bisher nur der Weltpokal der Springreiter. Dem sonstigen Wildwuchs an Serien möchte inzwischen auch Ludger Beerbaum (Riesenbeck) entgegenwirken. Der viermalige Olympiasieger und achtmalige deutsche Rekordmeister, Sprecher im Verband des Internationalen Springreiter-Clubs, sagt: "Schluss damit. Weltcup und Superliga in den Nationen-Preisen sind echte Serien, die auch für das Fernsehen attraktiv bleiben. Weniger ist nämlich mehr, vor allem gut für unseren Sport."