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Hugo Simon 75 - er reitet nur noch zum Spaß... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 03. August 2017 um 09:48

 

Hugo Simon mit CT in der heimischen Stallgasse


Weisenheim am Sand. Vor 25 Jahren wurde der für Österreich startende Hugo Simon  50 Jahre alt, während der Olympischen Spiele in Barcelona 1992, ein amerikanischer TV-Sender übertrag die Fete live in die USA. Nun wird er an diesem Donnerstag,  3. August 2017, 75, er feiert mit Freunden auf Sylt, niemand sollte es wissen. Seine Frau Margit sagte lediglich: „Wir sind weg…“

 

 

Für die Verabschiedung seiner großen Pferde, da war er zu haben, das wollte er, das hatten sie auch verdient. Er selbst lehnte eine persönliche Abschiedsfeier ab. Er trat ganz leise ab, ohne Adieu oder Servus zu sagen, man weiß inzwischen nicht einmal, wann er den Entschluss fasste, im großen Sport nicht mehr anzutreten. Auch das bleibt ein Rätsel des Hugo Simon, der Tausende Menschen allein durch seinen Kampfgeist, seine Hingabe begeisterte. Für wen und warum hätte er sich ändern sollen…

 

Er ist in jeder Beziehung anders als andere, vor allem in seiner Branche. Er ist jetzt 75, da spüren die früheren Konkurrenten längst jeden Knochen, die Gelenke schmerzen, und der Rücken ist meist krumm. Nicht so bei Hugo Simon. Der geht noch genauso flott durch seine Anlage in Weisenheim am Sand wie vor über 30 Jahren oder vor einigen Tagen in Aachen, wo er den spanischen Grand Prix-Reiter Sergio Alvarez Moya betreute, dessen Pferde nach Turnieren nicht ins heimische La Coruna reisen, sondern in die Pfalz. Wehe, es kommt einer nicht mit dem Tempo mit, vor allem nicht ein Bewerber um einen Job. Und noch schlimmer, bückt er sich nicht nach einem Besen, der da im Wege auf der Stallgasse liegt… So einer ist direkt durchgefallen. Wie gesagt, Hugo Simon ist eben anders, ein Unikat. Alle seine Fahrzeuge sind beispielsweise in Ferrari-Rot lackiert.

 

Echte sentimentale Regungen zeigte er fast nie, oder nur, weil auch er sicht nicht mehr wehren konnte. Wie bei der Verabschiedung seines Ausnahme-Wallachs E.T. und dann  nochmals am 5. Oktober 2014. Da siegte er auf C.T. im Grand Prix in Wiener-Neustadt, „da hatte ich wirklich erstmals bei einem Turnier Tränen in den Augen während der Siegerehrung.“ In diesem Alter gewann bisher noch kein Springreiter auf solchem Niveau einen Grand Prix. Der Sport vergibt keine Pokale für Sentimentalitäten, auch nicht im Pferdesport. Und Pferde können nun mal nicht weinen…

 

Er war und bleibt der Älteste seiner Zunft auf diesem Level, der auch noch in einem doch hohen Alter gegen die Hürden anreitet. Olympiasieger Alwin Schockemöhle (80) sagte früher mal, er höre auf, wenn er Angst vor der Höhe der Hindernisse bekomme.

 

Sein Zuhause ist Weisenheim am Sand nicht weit von Mannheim, in der Pfalz, doch er reitet für Österreich seit 1972. In der Alpenrepublik wollten ihn schon mehrmals einige für den Präsidentenposten des Verbandes vorschlagen, er  hat  abgelehnt. Auch international war er der ganz große Star, weil er immer unverfälscht auftrat, auch wenn er sich in Lederhosen blicken ließ. Nie zuvor in der langen Geschichte dieser einst nur dem Adel und den Offizieren vorbehaltenen Reitdisziplin konnte sich bisher ein Springreiter in diesem Alter so lange oben halten.

 

„Reite nicht mehr für Asche...“

 

Vorgehabt hatte er mal, mit dem großartigen Wallach E.T. auch selbst von der Bühne abzutreten. Den hat er in einer stimmungsvollen Atmosphäre am 8. November 2004 beim „Fest der Pferde“ in der Wiener Stadthalle vom Sport verabschiedet. Den Hannoveraner Fuchs stellte er auf die Weide, er selbst machte weiter. Er sagte damals: „Ich reite, solange ich selbst Spaß habe, solange die Zuschauer mich sehen wollen.“ Und: „Der Unterschied zwischen den anderen und mir ist doch ganz einfach der: Ich reite nicht mehr um Asche, ich reite nur noch fürs Publikum.“ Gesagt am 3. Januar 2004 in Neumünster, am nächsten Tag gewann er auf E.T. den Großen Preis.

 

Hugo Simon auf dem Holsteiner Casall-Nachkommen CT, der inzwischen von der viermaligen baden-württembergischen Landesmeisterin Tina Deuerer vorgestellt wird

(Foto: Michael Rzepa)

 

Asche, wie Geld in der Branche genannt wird, hat er zur Genüge, allein E.T. sprang - ohne Autos und andere Ehrengaben - an die 3,6 Millionen Euro ein, auch ein Rekord für ein Springpferd. Und er hatte auch sonst investiert, in kleinere Supermärkte. Hugo Simon wusste immer, wie hart man für sein Geld arbeiten muss. Er hat seine Herkunft nicht vergessen. Aber er sagt nun auch: „Wenn ich mal keine Lust zum Reiten habe, dann setze ich mich auch gerne hin, trinke ein Bier und einen Schnaps.“ Und er sagt: „Wenn ich mit meiner Frau irgendwohin fliege, buche ich Erste Klasse, ich muss für andere nicht mehr sparen…“

 

Hugo Simon, der in der Dressur früher gegen Josef Neckermann ritt, in der Vielseitigkeit antrat, seine Pferde wie kaum ein anderer gymnastiziert, der nach eigenen Worten für Österreich startet, „aber im Herzen Pfälzer ist“, Freundschaft zu Altkanzler Helmut Kohl pflegte, war dreimal Weltcup-Gewinner, zehnmal Staatsmeister (Rekord), gewann mit der Equipe völlig überraschend in Barcelona 1992 zusammen mit Thomas Frühmann, Boris Boor und Jörg Münzner  Olympisches Silber hinter Holland, holte in Rotterdam bei den sogenannten Olympischen Ersatzspielen 1980 – nach West-Boykott von Olympia in Moskau wegen des Überfalls  auf Afghanistan durch die damalige Rote Armee der UdSSR – auf Gladstone neben Team-Bronze noch Einzelgold vor John Whitaker auf Ryans Son, Melanie Smith (USA) auf Calypso und Paul Schockemöhle auf Deister, er nahm an sieben Olympischen Spielen teil, ritt zwölf Europameisterschaften  (verlor die Goldmedaille 1979 in Rotterdam mit Gladstone an einem „Gatter“ als letzten Sprung, so „nur“ Bronze), kam zu Silber in Mannheim 1997  auf  E.T. -  und er startete bei sechs Weltchampionaten, dabei Bronze auf Lavendel in Hickstead 1974. Einsame Rekorde. Er hat sich jedem und überall gestellt, „geschockt hat mich nie einer.“ Und er war gefürchtet, wenn er anfing zu wetten, zum Beispiel, dass er mit einem Stock ähnlich dem Stabhochsprung eine Hürde von 2 Meter 50 schaffe, es gibt keinen, der diese Wette gewann…

 

Fünfmal hängte man ihm in Hamburg das Blaue Band als Zeichen  des Siegers im Deutschen Derby um. Bis 1971 ritt er für Deutschland, ab 1972 für Österreich. In Dortmund hat er auf Lebenszeit Startrecht, und die Alpenrepublik zeichnete ihn mit dem „Goldenen Vaterländischen Verdienstorden“ aus.

 

Als Rentner durch die Rockys

 

Den Eintritt ins offizielle Rentenalter 2007 begann er in den kanadischen Rocky Mountains. Er erfüllte sich mit seinen beiden Freunden Dr. Michael Ritter und Siegfried Nied einen Kindheitstraum. Das Trio ( Aufschrift auf den eigens beschrifteten T-Shirts: „Die glorreichen 3“) ritt acht Tage jeweils 60 km, sie schliefen in Indianerzelten und versorgten sich selbst. Sie saßen auf den trittsicheren Mustangs und waren fern jeder Zivilisation. Hugo Simon, der mal sagte, er habe Angst, dass er eines Tages vor nichts mehr Furcht habe, gestand danach: „Einmal hatte ich wahrlich die Hosen voll, als wir einen Weg ritten, der lediglich einen Meter breit war, aber links und rechts ging es rund 30 m in die Tiefe. Für die Pferde war das nichts, ich aber werde so etwas nicht ein zweites Mal mehr machen...“

 

 

Hugo Simon als Jung-Rentner in Kanada

(Foto: privat)

Margit Herzau war bei ihm zunächst Pferdepflegerin, dann Stallmanagerin und ist inzwischen Frau Simon (Heirat an seinem 70. Geburtstag) wurde 2009 beim Turnier in Porto von einem spanischen Reporter gefragt, wer denn dieser Hugo Simon wäre, darauf sagte sie: „Am ersten Tag kennt man ihn kaum oder gar nicht, am Ende wissen alle, wer Hugo ist.“ Es war auch in Porto so.

 

Kein Deutscher war besser

 

Bis 1971 ritt er für Deutschland, drei Nationen-Preise sogar, ab 1972 sattelte er für Österreich auf. Als es um die Aufstellung der deutschen Equipe für die Olympischen Spiele in München 1972 ging, zeigten die Verbandsoberen in Warendorf zwar Interesse an seiner Ausnahmestute Fair Lady, aber nicht an ihm. Da entsann sich seine damalige Frau Gabi, dass er ja neben der deutschen auch die österreichische Staatsangehörigkeit besitze. Die Eltern hatten nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg ihre böhmische Heimat verlassen müssen, dort in Krummwasser war aber Hugo Simon geboren. Als eine Art Entschädigung jedoch blieb den Flüchtlingen aus dem ehemaligen K & K-Reich auch die österreichische Staatsangehörigkeit. Das Erlangen des Austria-Passes fädelte sein damaliger Schwiegervater aufgrund hervorragender geschäftlicher Verbindungen ein. Innerhalb einer Woche hatte Hugo Simon den neuen Pass in Händen, gegen ein gewisses Salär. Der Sprung über den rot-weiß-roten Oxer gelang somit problemlos.

 

Hugo Simon wurde auf Lavendel in München Vierter, platzgleich mit Hartwig Steenken auf Simona, „dass kein Deutscher besser war, das war für mich entscheidend“, sagte er damals aus einer verständlichen Genugtuung heraus.

 

Er benötigt inzwischen auch keine Brille mehr, er ließ sich nämlich operativ neue  Linsen in die Augen setzen. Böse Stürze überstand er auch mental bravourös. Zum Beispiel: In Neumünster 2000 hatte er einen Schulterbruch, 2004 einen Sehnenabriss in der Schulter nach Sturz im Training zuhause, 2013 erlitt er in Peking bei einem Sturz auf einem Leihpferd eine Brustbeinprellung und einen Bluterguss in der Lunge. Er stand immer wieder auf und kam auch jeweils zurück.

 

Im März E.T.-Klon-Fohlen…

 

Sein Lieblingspferd war zweifellos Flipper, dann kamen Little One, der von ihm  herausgebrachte Hannoveraner Wallach The Freak, verkauft an Dirk Hafemeister und unter Ludger Beerbaum in Seoul 1988 – als Ersatzpferd -   Team-Olympiasieger mit der deutschen Equipe (Dirk Hafemeister, Ludger Beerbaum, Franke Sloothaak und Wolfgang Brinkmann), auf Gladstone gewann er als Erster in der Weltcupgeschichte  den inzwischen begehrtesten Pokal 1979 in Göteborg, doch mit E.T. FRH steht sein Name für alle Zeit wie in Stein gemeißelt. Und vom E.T.-Klon namens E.T. Cryozootech-Stallion hat er ein Fohlen aus der Ukinda, was Ehefrau Margit dahingehend kommentierte: "Hugo hat die Geburt gut überstanden..." Die belgische Stute gehörte ebenfalls zu den früheren Simon-Spitzenpferden.

 

 

Sprüche des Hugo Simon

 

„Für mich ist die Goldmedaille echt, obwohl ich sie bei den Olympischen Ersatzspielen in Rotterdam 1980 gewann“

 

„Preisangaben über Pferdeverkäufe sind fast immer gelogen. Und Unglück bringen sie auch“

 

„Welchen Umweg bist Du denn geritten?“  (Nach seinem Sieg auf ET im Großen Preis von Frankfurt/ Main 1996 zu Lars Nieberg, der auf For Pleasure im Stechen fast sein Leben riskierte und doch „nur“ Zweiter wurde)

 

„Wenn ich meinen Bauch einziehe, dann wissen meine Pferde: Jetzt geht die Post ab...“

Seine größten Erfolge

Olympische Spiele

1972: 4. Platz Einzel mit Lavendel/ München

1976: 5. Platz Einzel und 11. Platz Mannschaft mit Lavendel/ Montreal

1984: 22. Platz Einzel mit The Freak/ Los Angeles

1988: 37. Platz Einzel mit Gipsy Lady/ Seoul

1992: 24. Platz Einzel und 2. Platz Mannschaft mit Apricot D/ Barcelona

1996: 4. Platz Einzel und 11. Platz Mannschaft mit E.T./ Atlanta

Beim Ersatz-Olympia für Moskau in Rotterdam 1980: 1. Platz Einzel und 3. Platz Mannschaft mit Gladstone

 

Weltmeisterschaften

1974, Hickstead: Bronze im Finale mit Pferdewechsel mit Lavendel

1978, Aachen: 17. Platz Einzel und 10. Platz Mannschaft mit Gladstone

1982, Dublin: 18. Platz Einzel und 11. Platz Mannschaft mit Gladstone

1986, Aachen: 6. Platz Einzel und 10. Platz Mannschaft mit The Freak

 

Weltcupfinals

1979: 1. Platz mit Gladstone/ Göteborg

1980: 4. Platz/ Baltimore

1983: 2. Platz mit Gladstone/ Wien

1985: 5. Platz mit The Freak/ Berlin

1986: 6. Platz mit The Freak/ Göteborg

1996: 1. Platz mit E.T./ Genf

1997: 1. Platz mit E.T./ Göteborg

1998: 8. Platz mit E.T./ Helsinki

 

Europameisterschaften

1973, Hickstead: 4. Platz mit Lavendel

1975, München: 4. Platz mit Lavendel

1977, Wien: 10. Platz mit Little One

1979, Rotterdam: 3. Platz mit Gladstone

1981, München: 12. Platz Einzel und 7. Platz Mannschaft mit Gladstone

1983, Hickstead: 5. Platz Einzel und 6. Platz Mannschaft mit Gladstone

1985, Dinard: 5. Platz Einzel und 6. Platz Mannschaft mit The Freak

1987, St. Gallen: 34. Platz Einzel und 6. Platz Mannschaft mit Winzer

1989, Rotterdam: 22. Platz Einzel und 7. Platz Mannschaft mit Winzer

1991, La Baule: 10. Platz Mannschaft mit Amaretto D

1993, Gijon: 5. Platz Einzel und 4. Platz Mannschaft mit Apricot D

1997, Mannheim: 2. Platz Einzel und 7. Platz Mannschaft mit E.T.

 

Österreichische Staatsmeisterschaften

Meister in den Jahren: 1972, 1973, 1974, 1976, 1978, 1985, 1988, 1989, 1991, 1992

 

Auszeichnungen (Auszug)

1979: Goldenes Verdienstzeichen von Österreich

1992: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich